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News / Raphaela Scharf: „Das ziehe ich jetzt durch bis zum bitteren Ende“
Raphaela Scharf (Foto: Lenart Grzegorz)
08.07.2021   Vermischtes
Raphaela Scharf: „Das ziehe ich jetzt durch bis zum bitteren Ende“
Die Moderatorin hat sich mit ihren Vorwürfen gegen Wolfgang Fellner ins Blickfeld der Öffentlichkeit katapultiert. Der Medien-Zampano bekämpft sie vor Gericht. Ans Aufgeben denkt sie nicht. Fünf Fragen an Scharf.
Wien – Fellner-„Anklägerin“, Journalistin und Moderatorin Raphaela Scharf ist traurig und wütend, dass aus dem „Oe24“-Medienhaus ihr gegenüber keiner loyal ist und die österreichischen Medien sich sehr zurückhaltend verhalten. An einen Rückzieher denkt sie nicht.
 
Mit Ihrer Klage auf Wiedereinstellung beim Fellner-Sender, mit Ihren Vorwürfen, Wolfgang Fellner habe sich Ihnen gegenüber sexistisch verhalten, haben Sie einen Stein ins Rollen gebracht, der zu einer Lawine anschwillt. Ein bisheriges Tabuthema, ein toxisches Arbeitsumfeld in einem österreichischen Medienunternehmen, schlägt über die Grenzen hinaus Wellen. Wie geht es Ihnen damit?
Raphaela Scharf: Ich würde lügen, wenn ich sage, es ist alles total easy, geht an mir spurlos vorüber. Es ist sehr kräftezehrend, ich bin die ganze Zeit irgendwie mental damit beschäftigt. Aber es muss weitergehen.
 
Welche Reaktionen haben Sie bekommen? Was freut Sie an der Entwicklung, was schmerzt Sie?
Die Reaktionen sind zu 100 Prozent positiv. Es gibt im Internet ein paar Trolls, die böse über mich schreiben. Persönlich bekomme ich nur positive Nachrichten. Ich habe so viel Zuspruch bekommen, von Frauen und Männern, nicht nur aus Österreich. Das freut mich total. Was mich in dieser Causa wütend und gleichzeitig traurig macht, ist die Tatsache, dass Menschen als Zeugen auftreten und Dinge sagen, die nicht der Wahrheit entsprechen.
 
So bei der Verhandlung in der letzten Mai-Woche?
Ja. Das sind Menschen, die länger in diesem Unternehmen sind, die wissen, was vor sich geht, Dinge gesehen, gehört und vielleicht selbst erlebt haben. Wahrscheinlich haben sie Angst. Dann behaupten sie, es hat noch nie etwas gegeben. Das war schon bei der ersten Verhandlung 2019 der Fall. Ich habe mir gedacht, das ist eine Katastrophe, dass mir gegenüber keiner loyal ist, mich alle im Regen stehen lassen. Und es hat sich bei der letzten Verhandlung wieder gezeigt, dass  man sich auf keinen verlassen kann.
 
Wolfgang Fellner argumentiert damit, das sei eigentlich ein Krieg der „Kronen Zeitung“ gegen „Oe24“. 
Absoluter Blödsinn! Ich wurde im Mai 2019 fristlos entlassen und habe danach sofort geklagt. Da habe ich noch nicht gewusst, dass ich jemals für die „Kronen Zeitung“ arbeiten werde. Dort habe ich erst im Dezember 2019 als selbstständige Journalistin angefangen. 
 
Dieser Prozess ist eine starke berufliche Zäsur für Sie.Haben Sie schon überlegt, aufzugeben oder einen Vergleich anzustreben?
Nein. Es gibt nur diesen Weg: Entweder es passieren solche Dinge, ich kehre es unter den Teppich und mache weiter wie bisher. Oder ich kämpfe für mein Recht. Es gibt keinen Mittelweg, nur Entwederoder. Ich ziehe das jetzt durch bis zum bitteren Ende.
 
Das Ganze Interview und die Titelgeschichte „Wie toxisch ist die Führungskultur in Österreichs Medien?“ von „Journalist:in“-Autorin Antonia Gössinger lesen hier.


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