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News / Umfrage in der Medienbranche: Klares ja zum Gendern, Regeln zur Umsetzung erwünscht, aber unklar
Quelle: Journalist*innenbarometer 2021
17.12.2021   Vermischtes
Umfrage in der Medienbranche: Klares ja zum Gendern, Regeln zur Umsetzung erwünscht, aber unklar
Laut aktuellem Journalist*innenbarometer von Marketagent und Ecker & Partner ist die genderneutrale Sprache nicht beliebt, aber notwendig – und sie wird sich durchsetzen.
Wien/Baden –  Genderneutrale Sprache wird sich in der Medienbranche durchsetzen. Davon sind 71 Prozent der befragten österreichischen Journalistinnen und Journalisten laut aktuellem Journalist*innenbarometer überzeugt (n=234/gesamt 865). In der Medienbranche gibt es im gesamten DACH-Raum einen klaren Trend zum Gendern. Mehr als zwei Drittel der befragten Journalistinnen und Journalisten aus Österreich bemühen sich bereits um eine genderneutrale Sprache, im Vergleich zu Deutschland haben sie sogar eine Vorreiterrolle. 65 Prozent der heimischen Journalistinnen (männliche Kollegen: 39%) wünschen sich eine einheitlichen Regelung für die genderneutrale Schreibweise – das wird aber nur von 21 Prozent der Redaktionen erfüllt.
 
Die meisten glauben, dass sich Gendern in unterschiedlichen Schreibweisen etablieren wird. Am beliebtesten ist in Österreich die Nutzung der geschlechtsbezogenen Paarform (20%), also die Verwendung der männlichen und weiblichen Form, gefolgt von bewusst genderfreien Begriffen (12%), dem Binnen-I (12%), dem Sternchen (8%) und dem Doppelpunkt (7%). Das Thema sorgt in den Redaktionen jedenfalls für Diskussionsstoff, vor allem zwischen den Geschlechtern und zwischen den Altersgruppen. In jeder dritten österreichischen Redaktion gibt es eine klare Vorgabe zu gendern, aber nur 21 Prozent legen eine einheitliche Schreibweise fest. Für das aktuelle Journalist*innenbarometer von Marketagent zusammen mit der Agentur Ecker & Partner wurden im Oktober 2021 865 Medienmenschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.


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Hierzulande zweifeln nur 29 Prozent der Befragten daran, dass sich genderneutrale Sprache in den kommenden fünf Jahren durchsetzen wird. Vor allem Redakteurinnen bevorzugen gegenderte Texte und Informationen (43%, Männer 10%), von den Männern sprechen sich mehr als die Hälfte gegen eine genderneutrale Schreibweise aus (58%, Frauen 27%). Dazu Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent: „Sprache verändert sich nicht von heute auf morgen, sie entwickelt sich nur langsam. Wir bewegen uns zwar eindeutig in Richtung Gendern, aber auf dem Weg dorthin müssen wir auch jene mit ins Boot holen, die sich noch nicht damit anfreunden können.“
 
Immergleiche Kritikpunkte und klare Pro-Argumente
Gendern verkompliziere die Sprache und störe den Rede- und Lesefluss, lauten die gängigsten Kritikpunkte. Dieser grundsätzlichen Ablehnung stehen gute Argumente gegenüber: genderneutrale Sprache hat einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, trägt zur Inklusion bei, beeinflusst unser Verhalten und kommt so letztendlich der Gleichberechtigung im Alltag zugute. Letzterem stimmen in Österreich 45 Prozent aller Journalistinnen zu, aber nur 25 Prozent ihrer männlichen Kollegen. So oder so steige der Druck zum Gendern in der öffentlichen Kommunikation, davon ist die Mehrheit der Befragten in der DACH-Region überzeugt - und der Journalismus hätte hier definitiv eine Vorbildfunktion. Im Vergleich zu Deutschland entpuppt sich der österreichische Journalismus sogar als Trendsetter: 45 Prozent der heimischen Befragten halten genderneutrale Sprache im Journalismus für relevant, aber nur 26 Prozent der deutschen.
 
„Das Gendern ist für viele Journalist*innen eine persönliche Herausforderung“, bestätigt Nicole Bäck, geschäftsführende Gesellschafterin von Ecker & Partner: „Aber aus unserer Sicht führt kein Weg daran vorbei, auch wenn noch völlig unklar ist, welche Schreibweise sich letztendlich durchsetzen wird. So wird derzeit manchmal auch innerhalb eines Mediums auf unterschiedlichste Weise gegendert - das trägt in der Bevölkerung zur allgemeinen Verwirrung bei.“
 
Details und Einzel-Ergebnisse gibt es hier.


 
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