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News / Wie schnell sind Sie mit Politikern beim Du?
Ulla Kramar-Schmid: "Kein Du für die Ewigkeit." Foto: Tom Linecker
19.01.2022   Journalismus
Wie schnell sind Sie mit Politikern beim Du?
In Wien laufen sich Journalisten und Politiker regelmäßig über den Weg und ganz schnell ist man per Du. Wie gehen Investigativjournalisten damit um?
Wien – Ausreichend Nähe, um an wichtige Informationen zu kommen, aber dennoch die nötige Distanz wahren, um nicht vereinnahmt zu werden – eine tägliche Gratwanderung. "Österreichs Journalist:in" hat in der aktuellen Ausgabe mit fünf Investigativjournalisten über ihr Verhältnis zu Politikern gesprochen. Unter anderem: Wie gehen Sie mit dem Du um? Und was hat das für Folgen?
 
Andrea Hodoschek: Das Du ist ein schwieriges Thema. Ich finde, Journalisten und Politiker sollten sich trotz all der Zeit, die sie miteinander verbringen, auch auf Reisen, nicht duzen. Ein Sie schafft etwas mehr notwendige Distanz. Das ist, auch abhängig vom Politiker-Typ, nicht immer einfach. Aber die Grenze zur Verhaberung wird per Du viel leichter überschritten. Als Frau ist es einfacher, denn es gibt noch Politiker mit Kinderstube, die einer Frau nicht zuerst das Du anbieten. Den anderen muss frau die Benimmregeln halt erklären. Ich persönlich versuche, Duzen zu vermeiden, bin kaum mit einem Politiker oder einer Politikerin per Du. Gebe aber zu, es gibt Kollegen, die das bewusst anstreben und sich dann brüsten, wie gut sie mit Spitzenpolitikern sind.

Ulla Kramar-Schmid: Kommt auf die Situation an. Ein Du für einen – wenn Sie wollen – Ballabend ist kein Du für die Ewigkeit.


Michael Nikbakhsh: Ich halte mich von all dem fern. Erst jüngst wieder habe ich festgestellt, dass ich mit Leuten aus dem Politbetrieb auch nach drei Jahrzehnten Journalismus noch per Sie bin, die sonst irgendwie jeder und jede zu duzen scheint.


Fabian Schmid: Ich glaube nicht, dass das Du-Wort im Jahr 2021 sehr viel über Distanz oder Nähe aussagt. Bei Politikerinnen und Politikern meines Alters – Anfang 30 – ohnehin nicht, aber mittlerweile auch bei älteren nicht.


Anna Thalhammer: Das Du-Wort an sich empfinde ich noch nicht als Problem – wir sind in Österreich, da ist man schnell per Du. Die Kernfrage ist: Kann ich einer Person trotzdem kritisch gegenüberstehen?


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Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von "Österreichs Journalist:in".