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News / Marian Smetana: „Verschränkung digital und Print wird zunehmen“
Marian Smetana (Foto: SN)
15.12.2022   Leute
Marian Smetana: „Verschränkung digital und Print wird zunehmen“
Wie der Redakteur der „Salzburger Nachrichten“ die Zukunft der Branche sieht.
Salzburg/Wien - „Österreichs Journalist:in“ (damals: „Der Österreichische Journalist“) wurde 1987 ins Leben gerufen. Theresa Steininger hat junge Journalistinnen und Journalisten, die im gleichen Jahr geboren sind, um ihre Einschätzung der aktuellen Situation gebeten - und um Informationen zu ihrem Werdegang.
 
Dieses Mal: Marian Smetana, „Salzburger Nachrichten“.
„Ich bin durch mehrere glückliche Zufälle und die Unterstützung von großartigen Kolleginnen und Kollegen in meinen jetzigen Job gekommen. Begonnen habe ich als Berufsquereinsteiger in der Lehrredaktion des Wiener Stadtmagazins „biber“. Dort hat mich der Job gefesselt. Fragen stellen, Einblick hinter die Kulissen bekommen und darüber berichten. Genial.
 
Im Jahr 2012 bin ich schließlich in der Wiener Redaktion der „Salzburger Nachrichten“ gelandet und arbeite dort nun im Innenpolitik-Ressort.
 
Was man als junger Journalist in einem Medienunternehmen zu Beginn tun sollte? Ideen bringen, Ideen bringen, Ideen bringen und immer aufzeigen in der Redaktionskonferenz, auch wenn die unangenehmen Aufgaben verteilt werden. In den vergangenen zehn Jahren hat sich in diesem Job vieles radikal verändert. Das Tempo hat sich immens erhöht, genauso wie die Anzahl der Kanäle, die man als Print-Journalist bespielt: Die Zeitung sowieso, Online-Geschichten, Tweets, Podcast, Insta-Videos. Und alles am besten sofort. Journalistische Darstellungsformen werden immer pointierter, was prinzipiell nichts Schlechtes ist. Manchmal werden Inhalte dadurch auch klarer und verständlicher. Doch die Verknappung stößt auch immer wieder an ihre Grenzen.
 
Komplexe Inhalte verlangen zum Teil komplexe Erzählformen und somit auch einen gewissen Raum. Deshalb gibt es neben den zahlreichen neuen Kanälen immer noch den klassischen Artikel. Und den wird es auch weiterhin geben. Man kann die Steuerreform nicht in einem Tweet erklären oder den U-Ausschuss nicht in einem Instagram-Post. Was aber in der nächsten Zeit sicher noch mehr zunehmen wird, ist die Verschränkung von verschiedenen digitalen Kanälen mit der Printzeitung. Ob es in 35 Jahren noch Print geben wird, weiß ich nicht. Es ist aber eigentlich auch egal, wo und wie journalistische Inhalte geteilt werden. Wichtig ist, dass das grundsätzliche Handwerk bestehen bleibt: Fragen stellen, Aussagen überprüfen, komplexe Sachverhalte erklären.
 
Durch die vielen Informationen, die auf uns jeden Tag über die Social Media-Kanäle hereinprasseln, wird Journalismus eigentlich immer wichtiger. Infos und Behauptungen, die auf den digitalen Kanälen kursieren, zu überprüfen, nimmt schon jetzt einen immer größeren Teil der täglichen journalistischen Arbeit ein. Trotz der immer größer werdenden Menge an zu überprüfenden Informationen und einem immer höher werdenden Tempo darf die Qualität dieser Faktenchecks nicht abnehmen, das wird für die Redaktionen eine der großen Herausforderungen in der Zukunft sein. Aber nur so wird man auch der zweiten großen Herausforderung der nächsten Jahre etwas entgegensetzen können: der Glaubwürdigkeitskrise, in der der Journalismus steckt. Wenn man daran etwas Positives sehen will, dann, dass aufgrund der Vertrauenskrise manche Medienhäuser heute viel transparenter arbeiten als früher. Auch das wird den Journalismus in den nächsten Jahren prägen und wird ihm insgesamt guttun.“
 
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