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Christian von Sikorski
01.12.2022   Vermischtes
Christian von Sikorski: „Journalisten können ungewollt antisemitische Gedanken verstärken“
Der Kommunikationswissenschaftler widmet sich in seiner Forschung der Auswirkung von Berichterstattung über den Nahostkonflikt.
Salzburg – Der Kommunikationswissenschaftler Christian von Sikorski von der Universität Koblenz-Landau widmet sich in seiner Forschung der Auswirkung von Berichterstattung über den Nahostkonflikt. Medien können auch ungewollt Antisemitismus fördern, sagt er im Interview mit Mike Prock für die aktuelle „Journalist:in“.
 
Sie haben sich in Ihrer Untersuchung mit der Berichterstattung über den Nahostkonflikt und Antisemitismus beschäftigt. Was genau haben Sie untersucht?
Christian von Sikorski: Wir sehen in Österreich und Deutschland, dass sich 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung antisemitisch äußern oder zumindest antisemitische Gedanken hegen. Wir haben uns gefragt, welche Rolle die Medienberichterstattung dabei spielt, also wie Journalistinnen und Journalisten über den Nahostkonflikt und Israel im weitesten Sinne berichten.
 
Journalisten berichten antisemitisch?
Nein. In der Regel nicht. Ein guter Teil des Antisemitismus in der Bevölkerung ist jedoch israelbezogener Antisemitismus. Und Journalisten können mit ihrer Berichterstattung über den Nahostkonflikt und Israel ganz ungewollt antisemitische Gedanken verstärken oder solche auslösen. Das ist keine Absicht, sondern geschieht nebenbei. Wir können das in einer großen Experimentalstudie in vier Ländern nachweisen: in Österreich, Deutschland, UK und den Vereinigten Staaten.
 

 
Können Sie das anhand eines Beispiels erklären?
Journalisten versuchen gerne, Nähe herzustellen. Sie befragen einen Nahostexperten aus Deutschland zu den Vorgängen oder bitten die jüdische Community in Wien um eine Stellungnahme. Die Community stellt sich auf die Seite des Staates Israel, was völlig legitim ist. Die Frage ist aber: Was macht das Publikum damit? Wir können zeigen, dass es zu einer Art negativen Generalisierung kommt. Das Publikum überträgt die negativen Handlungen des Staates Israel, die ein Nachrichtenartikel beschreibt, auf Juden in Österreich. Das kann zu antisemitischen Einstellungen führen …
 
Das ganze Interview lesen Sie hier.