1.004 arbeitslose Journalistinnen und Journalisten – wen es besonders hart trifft
Sparpläne, Personalabbau und Umstrukturierungen erschüttern Österreichs Medienlandschaft. Print, Online, Radio und TV kämpfen gleichermaßen, während viele Journalistinnen und Journalisten um ihre Zukunft fürchten. 5 Fragen und Antworten zur Medienkrise.
Wien – Sparrunden, Stellenstreichungen und Umbrüche treffen derzeit nahezu alle großen Redaktionen des Landes. Ob Print, Online, Radio oder TV – die Medienbranche steckt in einer tiefen Krise. Viele Journalistinnen und Journalisten wissen nicht, wie es weitergeht. Fünf Fragen und Antworten zur Lage des österreichischen Journalismus von Antje Plaikner in der aktuellen
„Journalist:in“.
1. Wie tief reicht die Krise im österreichischen Medienmarkt?Die Lage ist ernst – und sie war absehbar. Vor dem Hintergrund einer schwachen Wirtschaft spitzen sich die Probleme zu: Redaktionen stehen unter massivem Sparkurs, hunderte Jobs sind bedroht. Rund 100 Stellen sollen gestrichen werden – quer durch Print, Online, Radio und TV, von Gratis- bis Qualitätsmedien. „Momentan ist es eine echte Katastrophe“, sagt Lydia Ninz vom Coachingprogramm „Ajour“. Besonders betroffen ist die Styria Media Group: Neben der „Presse“ trifft es auch die „Kleine Zeitung“ und die Antenne Steiermark. Laut Gewerkschaft sollen allein dort rund 34 Stellen wegfallen – der zweite große Einschnitt binnen zwei Jahren …
2. Welche Medien sind von den Umstrukturierungen besonders betroffen?Die Liste der betroffenen Häuser ist lang. Bei Red Bull werden ServusTV und weitere Medienaktivitäten unter der neuen Marke „Servus Media“ gebündelt – 40 bis 60 Jobs sollen wegfallen.
Auch ProSiebenSat.1 Puls 4 hat bereits im Herbst Personal abgebaut: Mit der Schließung der eigenen Website verloren neun von 15 Online-Redakteurinnen und -Redakteuren ihren Job.
Beim „Standard“ sollen bis zu 25 Stellen gestrichen werden, laut Jahresabschluss machen Personalkosten rund die Hälfte des Umsatzes aus. Die Geschäftsführung äußerte sich nicht zu den Plänen.
Auch bei der „Presse“ wurde Personal reduziert – rund 20 Redaktionsstellen sollen betroffen sein. Die Regionalmedien Austria (RMA) kündigten eine Neuausrichtung mit rund 60 Stellenstreichungen an, etwa die Hälfte davon in der Verwaltung. Die Chefredaktionsstelle entfällt, künftig übernehmen Landeschefredakteure die Leitung im Rotationsprinzip. Bis zu 25 Geschäftsstellen werden zudem geschlossen oder zusammengelegt …
3. Was sagen die (Arbeitslosen-)Zahlen?
4. Welche Journalistinnen und Journalisten trifft es?Laut Ute Groß, Betriebsratsvorsitzende der „Kleinen Zeitung“ und oberste Journalistengewerkschafterin, erlebt die Branche derzeit eine ungewöhnliche und zugleich flächendeckende Welle an Kündigungen. Die Verhandlungen laufen, und es wird versucht, eine Arbeitsstiftung für Betroffene zu schaffen – bisher jedoch ohne feste Zusagen der Arbeitgeber. Besonders schwierig ist die Lage für ältere Journalistinnen und Journalisten, die nach einer Kündigung kaum mehr in den Beruf zurückkehren. Ab dem kommenden Jahr werden zudem die Bedingungen für Altersteilzeit verschärft.
Lydia Ninz vom Coachingprogramm „Ajour“ spricht von einem Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer um 45 Jahre. Betroffen seien vor allem Berufseinsteiger und Ältere: Nachwuchskräfte finden kaum fixe Anstellungen, weil Stellen nicht nachbesetzt werden, während gleichzeitig weiter Journalistinnen und Journalisten an Fachhochschulen und Akademien ausgebildet werden – trotz eines praktisch ausgetrockneten Arbeitsmarkts …
5. Wer wagt eine klare Aussage zum Personalabbau?
Zu den Antworten im Detail
Schwerpunkt Sparwelle
– Maximilan Dasch, Herausgeber „Salzburger Nachrichten“: „Ich weiß nicht, was in den kommenden – Wochen noch auf uns zukommen wird“
– Medienminister Andreas Babler: „Das System funktioniert nicht, wenn man von Förderungen abhängig ist“
– Bye-bye, Journalismus: Warum Puls4-Redakteurin Carina Bauer den Journalismus verließ
– ORF General Roland Weißmann „Werbefrei? Dann profitieren die Globalen, nicht unsere Medien“