In seiner Kolumne „Was mit Englisch“ erklärt Sprachkritiker Peter Littger, warum Zugansagen, Länderbezeichnungen und Demonyme im Englischen oft falsch verwendet werden – und wie es richtig heißt.
Salzburg – „We are arriving Wi-enna“, klang es neulich recht freundlich aus der Lautsprecheranlage der ÖBB, schreibt Peter Littger in seiner Sprachkolumne „Was mit Englisch“ in
„Österreichs Journalist:in“. Und weiter: Es war die wörtliche Übersetzung des „Wir erreichen Soundso“, die ich schon aus der Deutschen Bahn kannte: „We are arriving Munich/Hamburg/Berlin.“ Nicht, dass man es immer hört, aber mit Regelmäßigkeit. Als Sprachkritiker hatte ich gelegentlich den Wunsch, die Damen oder Herren Schaffner zu bitten, etwas anderes zu sagen. Entweder: „We are arriving in Vienna“, wenn es um oder in die Stadt geht. Oder: „We are arriving at Vienna“, wenn ein bestimmter Bahnhof oder zum Beispiel ein Flughafen gemeint ist. In britischem Englisch gibt es darüber hinaus: „We are calling at Vienna station.“ Und mindestens so gewöhnungsbedürftig: „The train is due at five“ – der Zug soll planmäßig um fünf ankommen.
Statt nun fremde Menschen in einem mir fremden Beruf über den nicht hundertprozentig korrekten Gebrauch der englischen Sprache zu belehren, wende ich mich – wie immer an dieser Stelle – lieber an meinen eigenen journalistischen Stand: Hätten Sie die Sache mit dem Bahnhof gewusst, liebe Kolleginnen und Kollegen? Und wenn ja: Wissen Sie auch die Sache mit der Ukraine, die in der Berichterstattung noch viel wichtiger ist. Immer wieder lese oder höre ich: „… in the Ukraine“. Dabei ist es auf Englisch seit 1990 nur noch „Ukraine“ – ohne grammatisches Geschlecht. Zum Beispiel: „There’s war in Ukraine.“
Dasselbe gilt für „die Slowakei“, „die Türkei“, „die Schweiz“ und „die Mongolei“. Also nicht: „He lives in the Slovakia“, sondern „in Slovakia/Turkey/Switzerland/Mongolia“. Auch für Länder, die traditionell männlich sind, wird der Artikel nicht mehr verwendet. Während sich für uns noch Dinge „im Libanon/Jemen/Sudan“ abspielen, ereignen sie sich in der englischen Sprache „in Lebanon/Yemen/Sudan“. Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass nur ein einziges Land im Englischen mit dem Artikel „the“ steht, wo wir ihn nicht kennen: „The Gambia“.
Unterdessen brauchen wir keine Fallstricke mit Ländern zu befürchten, die im Plural existieren: „the Bahamas/die Bahamas“, „the Netherlands/die Niederlande“, „the Philippines/die Philippinen“ und so weiter. Auch Länder, die offiziell eine Staatsform im Namen tragen, werden wie im Deutschen behandelt: „Peter was in the Czech Republic/in the Dominican Republic/in the United States/in the United Kingdom“. Dass die beiden letzten Beispiele herausstechen, hat nicht damit zu tun, dass das Englische in ihnen zu Hause ist. Vielmehr ärgert mich, dass die USA oft arglos als „America/Amerika“ aufgeblasen werden und das Königreich zu „Großbritannien“ verkleinert wird – und „Nordirland“ als Teil des Reiches unterschlagen wird.
Womit ich endlich beim Fun Part der Kolumne bin: sogenannte Demonyme, die die Bewohner bestimmter Orte bezeichnen. Wir kennen es von den „Moskowitern“ oder den „Guatemalteken“. Doch wissen Sie, was „Mancunians“ sind? Tipp 1: Es gibt auch „Oxonians“ und „Cantabrigians“. Tipp 2: Die Beatles waren „Liverpudlians“. Tipp 3: Der österreichische Fußballtrainer – auf Englisch „manager“ – Oliver Glasner muss es wissen. Seine Mannschaft Crystal Palace gewann schließlich 2025 gegen Manchester United das Finale des britischen FA Cup.
Der AutorPeter Littger ist sprachbesessener Autor und Kolumnist, u. a. für die Wirtschaftswoche und ntv.de. Er hat den Nr.-1-Bestseller The Devil Lies in the Detail geschrieben. Im November 2021 erschien sein jüngstes Buch Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch – und wie man ihn shootet.
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