Please wait...
News / Westenthaler gegen Lederer: Streit überschattet ORF-Stiftungsrat nach Weißmann-Rücktritt
Peter Westenthaler (Foto: APA-Images / Heute / Helmut Graf)
12.03.2026   Vermischtes
Westenthaler gegen Lederer: Streit überschattet ORF-Stiftungsrat nach Weißmann-Rücktritt
Vier Tage nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann tagt heute der ORF-Stiftungsrat. Neben Personalentscheidungen steht dabei auch ein Konflikt zwischen Stiftungsratschef Heinz Lederer und dem FPÖ-Vertreter Peter Westenthaler im Mittelpunkt.
Wien – Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann berät der ORF-Stiftungsrat heute, Donnerstag über die weitere Vorgangsweise beim österreichischen Rundfunk. Wie ORF-Online berichtet, wird das 35-köpfige Aufsichtsgremium zunächst über „den Hergang und die Entscheidung bis zum Rücktritt informiert“.


Zugleich soll Ingrid Thurnher mit der Führung der Geschäfte betraut werden. Die Radiodirektorin wird damit vorläufig die Aufgaben des Generaldirektors übernehmen. Parallel dazu sollen die Weichen für eine Ausschreibung der interimistischen Führung bis Ende 2026 gestellt werden. Nach derzeitigem Stand könnte die Bestellung dafür im Juni erfolgen.
 
Eine weitere Ausschreibung für die reguläre Funktionsperiode ab 2027 ist für Anfang Mai geplant. Die Details, etwa Kriterien für Bewerberinnen und Bewerber, will der Stiftungsrat laut ORF-Online in einer Sondersitzung im April festlegen.
 
Streit im Stiftungsrat
Die Sitzung wird auch von einem Konflikt im Gremium begleitet. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler wirft dem Vorsitzenden Heinz Lederer „pflichtwidriges“ Verhalten vor. Wie der „Standard“ berichtet, kritisiert Westenthaler, Lederer habe den Stiftungsrat „sechs Tage lang weder informiert noch eingebunden“.
 
Der Stiftungsrat müsse sich nun „ein umfassendes und vollständiges Bild der Angelegenheit machen, um rasch die richtigen Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens zu treffen“, schrieb Westenthaler laut „Standard“ in einem Schreiben an Lederer.
 
Zudem fordert er, Weißmann zur Sitzung einzuladen, um ihm „die Möglichkeit einer Anhörung zu gewähren“. Eine solche Anhörung sei „Grundprinzip in einer Demokratie und einem Rechtsstaat“, argumentiert Westenthaler.
 
Lederer weist die Kritik zurück. Nach Darstellung des Vorsitzenden sei rasch gehandelt worden, nachdem eine ORF-Mitarbeiterin Vorwürfe gegen Weißmann erhoben habe.
 
Weitere Punkte der Sitzung
Neben Personalentscheidungen wird sich der Stiftungsrat auch mit organisatorischen Fragen beschäftigen. Laut ORF-Online soll unter anderem eine neue Geschäftsordnung für das Gremium beraten werden.
 
Zudem kündigten Lederer und sein Stellvertreter Gregor Schütze eine „umfassende Aufklärung der Causa“ an. Die Compliance-Stelle des ORF soll sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung befassen, die Weißmann zurückweist. Zusätzlich soll eine Taskforce eingerichtet werden, die sich mit der Führungskultur im Unternehmen beschäftigt.
 
Auch die Zukunft des früheren Generaldirektors im ORF ist noch offen. Nach seinem Rücktritt gilt Weißmann laut „Standard“ wieder als einfacher Mitarbeiter. Er hatte in seinem Vertrag ein Rückkehrrecht in seine frühere Funktion als Chefproducer Fernsehen.
 
Rückblick
Auslöser der aktuellen Krise waren Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin gegen Weißmann. Ihr Anwalt übermittelte dem Stiftungsratsvorsitzenden Lederer sowie weiteren Gremienvertretern Dokumente und erhob Vorwürfe über ein mutmaßliches Fehlverhalten aus dem Jahr 2022. Die Mitarbeiterin forderte demnach den sofortigen Rücktritt Weißmanns, andernfalls würden die Unterlagen veröffentlicht.
 
Weißmann weist die Vorwürfe zurück. Nach Angaben von Lederer erklärte der ORF-Generaldirektor schließlich am Sonntagvormittag seinen Rücktritt, „um Schaden vom Unternehmen abzuwenden“.


Sie möchten aktuelle Medien-News und Stories lesen und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Österreich informieren? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen Newsletter
 
Sie haben Personalnews in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder Ihnen ist in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen wollen? Mailen Sie die Infos bitte an redaktion@journalistin.at