Zwar sei die APA 80 Jahre alt, dennoch könne man für heute aus der Gründungsidee Schlüsse für die Zukunft ziehen, so Pig: „Kooperation und Kollaboration sind die Antwort auf die brutale Digitalökonomie, in der wir gelandet sind“. In „Welt ohne Wahrheit“ skizziert er als Problematik, wie in einer Zeit, in der die größten politischen Veränderungen vor sich gingen, gleichzeitig die Eintrittsbarrieren zu Informationen am meisten nach unten gesetzt wurden und jeder alles publizieren könne. Er versuche in seinem Buch, einen Zusammenhang zwischen der neuen Weltordnung und der Medienordnung herzustellen und die Auswirkungen von KI auf die Informationswelt zu analysieren. „Nach der Ära der sozialen Medien sind wir im Zeitalter der synthetischen Medien gelandet.“ Man möge sich überlegen, welche Rolle KI für Journalismus und umgekehrt spiele, so Pig: „Ich liebe KI und Technologie, aber wir sollten hier deren Chefinnen sein.“
Das sei, so ist natürlich auch dem APA-CEO klar, „ein Ringen, aber wir müssen trotzdem schauen, dass wir Investments kriegen. Die Frage ist nicht so sehr, wie bringen wir KI in den Journalismus, sondern wie bringen wir Journalismus in die KI. Denn was begonnen hat, ist die große Ausbeutung unseres täglichen Tuns. Der Inhalt der Medien wird einfach abgesaugt, das gesamte Internet wurde zum Rohstofflager“. Und in Bezug auf sein erstes Buch „Democracy Dies in Darkness“ sagt Pig: „Wir sind beim Übergang in eine zweite Dunkelheit. In der ersten drehten Diktatoren der Demokratie das Licht aus. In der zweiten übernimmt das die Technologie.“
Sein Ziel sei es: „In Zeiten, in denen sich viele mit allen möglichen Fragen an die KI wenden, sollten wir Medien wieder vollumfänglich zum Berater der Informationsgesellschaft werden.“ Und nicht nur die Medien, sondern die Gesellschaft an sich forderte er auf, aktiv zu werden: „Ich möchte die vierte Säule Medien um eine fünfte ergänzen: Das sind wir selbst. Und wir als Medien müssen die Nutzerinnen und Nutzer ins Boot holen und gemeinsam eine harte Regulierung der Plattformen fordern. Dass Menschen teilhaben und kommunizieren wollen, lehne ich nicht ab, im Gegenteil das ist eine riesige Chance für uns Medien.“ Buchautor Pig äußerte abschließend seinen „Traum: Gebt uns unser Internet zurück! Wir haben vor 20 Jahren die Kommunikationsmaschine Mensch entfesselt, was die schöne Seite der sozialen Medien war. Doch dass Menschen süchtig gemacht werden, dass sie dafür belohnt werden, immer Radikaleres zu schreiben, das ist doch verrückt. Das muss ein Ende finden.“