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News / ORF-Generaldirektion: Lisa Totzauer stellt ihren Reformplan vor
Lisa Totzauer (Foto: APA-Images / APA / GEORG HOCHMUTH)
28.05.2026   Vermischtes
ORF-Generaldirektion: Lisa Totzauer stellt ihren Reformplan vor
Fünf Ziele: Die ORF-TV-Magazinchefin bewirbt sich mit einem umfassenden Reformprogramm um die Spitze des ORF. Im Mittelpunkt stehen Vertrauen, Digitalisierung, jüngere Zielgruppen und ein Umbau der Strukturen.
Wien – Mit einem klaren Reformprogramm und dem Anspruch, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, bewirbt sich Lisa Totzauer um die Spitze des ORF. Die gegenwärtige ORF-TV-Magazinchefin skizziert für die „Journalist:in“ fünf zentrale Ziele für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – von Glaubwürdigkeit und digitaler Transformation bis hin zu Strukturreformen und neuen Finanzierungsmodellen:
 
„Fünf Ziele tragen meine Vision. Sie sind keine Wunschliste, sondern eine Reihenfolge, und sie beginnen dort, wo alles entschieden wird: beim Vertrauen. Nach der Weißmann-Krise steht der ORF vor einem Glaubwürdigkeitsproblem, das sein demokratisches Mandat unmittelbar bedroht. Doch 59 Prozent der Bevölkerung halten den ORF weiterhin für wichtig für Österreich. Das Fundament ist also da. Es zurückzugewinnen ist das vorrangigste Ziel, denn ohne Glaubwürdigkeit greift kein anderes. Ein Code of Conduct in den ersten drei Monaten, eine unabhängige Ombudsstelle und eine echte Fehlerkultur sind der Anfang.

Das zweite Ziel ist ein Wettlauf gegen die Zeit. 12- bis 29-Jährige schauen heute 34 Minuten täglich fern, 2005 waren es 102. Das ist kein Quotenproblem, es ist ein Legitimitätsproblem: Wer die junge Generation verliert, verliert die demokratische Basis für die Beitragsfinanzierung. Die Affinitätsstrategie und ORF ON als Bindungsplattform sind die Antwort, gemessen an täglich aktiven Nutzerinnen und Nutzern, nicht an Gesamtreichweite.

Daraus folgt das dritte Ziel: die digitale Transformation. 589 Millionen Nutzungsminuten im März 2025 sind ein gutes Fundament, aber weit unter dem Potenzial. Solange 86 Prozent der heimischen Digitalwerbung an Google, Meta und andere abfließen, ist das strukturelle Problem offensichtlich. Bis 2028 verdoppeln wir die täglich aktiven Nutzerinnen und Nutzer und erreichen 40 Prozent Direktzugriff ohne Plattformabhängigkeit.

Das vierte Ziel verlangt einen Denkwechsel: von der Sparlogik zur Investitionslogik. 325 Millionen Euro Einsparung bis 2026, dazu 220 Millionen durch die Nicht-Valorisierung, machen reines Sparen selbstzerstörerisch. Der Ausweg ist Umschichtung und Priorisierung: Der Programmanteil soll binnen vier Jahren von rund 50 auf 60 Prozent steigen, finanziert durch Effizienzgewinne und neue Erlösquellen.
 
Das fünfte Ziel macht alle anderen erst möglich: die Strukturreform. Weg vom Kanaldenken, hin zur Inhaltsorientierung. Befreite Redaktionen statt Mauern im Kanaldenken, kürzere Entscheidungswege, weniger Doppelstrukturen. Ohne diese Reform bleibt jede inhaltliche Strategie auf Sand gebaut.“


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