Meist empfinden die Betroffenen das als persönliche Enttäuschung. Sie waren davon ausgegangen, dass sich ihr jahrzehntelanger Einsatz, Fleiß und Ausdauer auszahlen würden, sodass sie sich in diesem Alter keine existenziellen Sorgen machen müssten. Stattdessen stehen sie nun vor grundlegenden Fragen: Wie soll es für mich weitergehen, wer will mich jetzt noch, was kann und will ich überhaupt? Denn obwohl sie in der Branche oft wenig vernetzt sind, da sie sich lange auf einen Arbeitgeber konzentriert haben, ist ihnen klar: Das Umfeld hat sich inzwischen völlig verändert. Was aber tun? Hier typische Fehler, die sie vermeiden sollten – und welches Vorgehen sich stattdessen empfiehlt.
Fehler 1: Erst zuletzt an die eigene Zukunft denken
Die eigene berufliche Zukunft sollte nicht etwas sein, an das man erst denkt, wenn gar nichts anderes mehr anliegt. Das gilt insbesondere für Einzel- und Hauptverdiener, die finanzielle Verantwortung für andere tragen. Sonst vergehen viele Jahre mit den Herausforderungen des Alltags und einem ständigen Verschieben („Wenn die Kinder erst einmal aus dem Gröbsten heraus sind“, „Wenn meine Eltern mich nicht mehr brauchen“). Je später aber begonnen wird, desto schwieriger ist eine berufliche Veränderung. Empfehlung: Eine jährliche Standortbestimmung, um für sich zu klären, wo man beruflich und persönlich steht und wohin man sich entwickeln will. So gestaltet man seine Zukunft und reagiert nicht nur.
Fehler 2: Sich mit sentimentalen Erinnerungen aufhalten
Nicht jede Entwicklung in der Medienbranche der vergangenen Jahrzehnte war positiv, vieles war früher unbestritten besser. Wer über 50 ist, weiß das aus eigenem Erleben und tut sich deswegen manchmal schwer, sich von den Erinnerungen an die frühen Berufsjahre zu verabschieden und uneingeschränkt für das Neue zu begeistern. Das führt nicht selten dazu, dass man in der Vergangenheit stecken bleibt, von alten Zeiten erzählt („Ich weiß noch, als wir damals …“) und betrauert, dass vieles heute nicht mehr so ist. Empfehlung: Regelmäßig Zeit mit jungen Branchenkollegen verbringen und von ihnen lernen, was ihre Weltsicht, ihre Interessen und ihr Herangehen angeht. Das hilft, gedanklich selbst jung zu bleiben.
Fehler 3: An einem überholten Berufsbild festhalten
Wer bereits seit zwei oder drei Jahrzehnten im Berufsleben steht, empfindet das Bekannte als normal und kennt nach langer Tätigkeit für ein Medienhaus oft auch nicht viel anderes. Die Branche hat sich in diesem Zeitraum aber enorm verändert und weiterentwickelt, was sich in den heutigen Aufgaben und Anforderungen widerspiegelt. Wer sie nicht kennt und beachtet, sucht möglicherweise nach einer neuen Stelle, wie es sie gar nicht mehr gibt. Empfehlung: Der regelmäßige persönliche Austausch mit Medienprofis mit verschiedenen Arbeitgebern erweitert den Horizont, gibt Einblicke in Trends und Chancen. Auch der Besuch von Branchenveranstaltungen wie dem European Publishing Congress fördert das.
Fehler 4: Nicht mit der aktuellen Technik vertraut sein
Bestimmte Mediengattungen (TV, Radio, Online) waren schon immer technischer geprägt als der klassische Printjournalismus. Gerade dort gibt es bis heute Medienprofis, die mit relativ einfachen, seit Langem etablierten digitalen Anwendungen noch immer ihre Mühe haben. Beispiel: einen Videoanruf führen, mit Cloud-Dokumenten arbeiten, den Laptop aktualisieren. Das darf im KI-Zeitalter, in dem man deutlich anspruchsvollere Werkzeuge zumindest als Anwender beherrschen sollte, jedoch keine Herausforderung mehr sein. Empfehlung: Wissens- und Verständnislücken im technischen Bereich ohne falsche Scham angehen. Oft braucht es dafür gar keinen IT-Kurs. Vieles kann man sich per Erklärvideos (YouTube) erschließen, von anderen erklären lassen und selbst ausprobieren.
Fehler 5: Auf Einsteiger- und Junior-Positionen bewerben
Die Kombination aus Ratlosigkeit und Unsicherheit, was jetzt zu einem passen würde, führt nach den ersten Absagen oft dazu, dass sich Medienprofis auf viel zu niedrige Positionen bewerben (z. B. als einfacher Redakteur, Social-Media- oder Content-Manager). Das wird von den Arbeitgebern aber nicht als Flexibilität oder Bescheidenheit bewertet und honoriert. Stattdessen haben sie den Eindruck, dass hier jemand orientierungslos oder verzweifelt ist und bei einer Zusage bald weiterziehen würde. Empfehlung: Wer über 50 ist, sollte sich nur auf Fach- und Führungspositionen bewerben, die eine gewisse Seniorität erwarten. Sind bestimmte neuere Berufsbilder unklar, vorher über das genaue Profil informieren.
Fehler 6: Das Berufsleben gedanklich zu früh beenden