Grundsätzlichen Bedarf prüfen
Vor der Entscheidung für eine Weiterbildung sollte man zunächst folgende drei Fragen für sich beantworten: Was will ich beruflich erreichen, braucht es dafür überhaupt eine Weiterbildung – und wenn ja, welche? Die Anbieter von Weiterbildungen werden ihre Programme immer als sinnvoll anpreisen. Daher empfiehlt sich neben eigenen Recherchen das Gespräch mit einem kompetenten, neutralen Ratgeber (z. B. Mentor, Karriereberater oder Coach). Möglicherweise stellt sich dabei heraus, dass sich das angestrebte Ziel auch ohne Weiterbildung erreichen lässt oder man bisher eine Maßnahme im Blick hatte, die gar nicht zum gewünschten Ziel passt. Damit erspart man sich gravierende Fehlinvestitionen.
Investition muss sich auszahlen
Um bei einer Weiterbildung überhaupt von einer Investition sprechen zu können, muss ihr Ziel sein, damit in naher Zukunft einen Gewinn zu erwirtschaften. Das sollte man durchaus eng fassen und konkret formulieren, sich also z. B. eine interne Beförderung oder einen externen Aufstieg mit Gehaltserhöhung als Ziel setzen. Ein weniger direktes, aber ebenso sinnvolles Ziel ist es, mit einer Weiterbildung seine berufliche Perspektive abzusichern (z. B. Redaktionsleiter werden, ins Produktmanagement wechseln oder passend zu einer neuen Familiensituation ortsunabhängig arbeiten zu können). Eine Weiterbildung soll auch interessant sein und Spaß machen, aber das sind nachgeordnete Ziele.
Bei der Auswahl langfristig denken
Weiterbildungen mit einer gewissen Substanz erfordern eine vier- bis fünfstellige Ausgabe, der Zeitaufwand liegt bei mehreren Monaten (z. B. MAS, CAS) oder sogar Jahren (Erst- oder Aufbaustudium). Daher sollten Inhalt, Format und Anbieter so gewählt werden, dass sich die Investition über möglichst viele Jahre fortlaufend rentiert. Dafür empfiehlt es sich, keine Zeitgeistthemen zu wählen, auch wenn gerade „alle darüber sprechen“, sondern langfristigen Trends und langjährigen eigenen Überzeugungen zu folgen. Daneben ist ein entscheidendes Kriterium, ob andere für diese Qualifikation etwas bezahlen würden. Nur so lässt sich die Ausgabe zurückverdienen und anschließend ein Gewinn damit erzielen.
Beteiligung des Arbeitgebers erfragen
Bei jeder Investition gilt: Je weniger man selbst bezahlt, desto schneller kommt man in die Gewinnzone. Bei einer Weiterbildung, die man sich selbst organisiert, lässt sich der finanzielle Eigenanteil oft beachtlich reduzieren. Erster Ansprechpartner dafür ist der Arbeitgeber, der nicht selten bereit ist, 25 oder 50 Prozent der Kosten zu übernehmen. Oft lässt sich das aushandeln, wenn zuvor eine Gehaltserhöhung abgelehnt wurde, da Zuschüsse für Weiterbildungen aus einem eigenen Budget kommen. In bestimmten Fällen lassen sich auch öffentliche Zuschüsse beantragen, und nicht zuletzt lassen sich Weiterbildungskosten (inklusive damit verbundener Fahrtkosten, Bücher, Laptop usw.) steuerlich absetzen.
Thema aus dem eigenen Arbeitsalltag wählen
Wenn man nicht einen Berufs- oder Branchenwechsel plant, vereinfacht man sich die Weiterbildung enorm, indem man dafür ein Thema aus dem Arbeitsalltag wählt. Beispiel: Als Redakteur eine KI-Weiterbildung angehen, in deren Rahmen man KI-basierte redaktionelle Formate und Abläufe erforschen und entwickeln will. Damit lässt sich die Unterstützung des Arbeitgebers – finanzieller Zuschuss, flexible Arbeitszeiten, Freistellung für Vorlesungen – wesentlich leichter erreichen. Seminar- und Abschlussarbeiten lassen sich teilweise in der Arbeitszeit schreiben, reale Probleme aus dem Job einbringen und bearbeiten. All das macht das Lernen praxisnah, interessant und effizient.
Unterstützung des Partners erbitten
Grundsätzlich ist man als Berufstätiger besser auf eine Weiterbildung vorbereitet, als man es als Schüler oder Student war. Die wichtigsten Lern- und Arbeitsroutinen sind etabliert, man ist disziplinierter und weiß besser, was für einen funktioniert. Bei einer berufsbegleitenden Weiterbildung ergänzen sich Praxiserfahrungen und neues Theoriewissen zudem ständig, vieles lässt sich gleich im Job anwenden. Trotzdem braucht eine Weiterbildung viel Zeit und Kraft – das muss der Partner wissen und unterstützen. Konkret werden z. B. Urlaube und Freizeitaktivitäten für einige Zeit bescheidener ausfallen oder ganz wegfallen müssen. Möglichst vermeiden sollten Paare parallele Weiterbildungen, da dies oft beide überfordert.
Ausgabe erst zurückverdienen
Regelmäßig kommt es vor, dass sich die Erwartung, die mit der Weiterbildung verbunden war, nach dem Abschluss nicht sofort erfüllt. Beispiel: Die Beförderung mit Gehaltserhöhung, auf die man sich hingearbeitet hat, bleibt vorerst aus. Für viele ist es dann eine Versuchung, direkt die nächste Weiterbildung zu beginnen – in der Hoffnung, dass es damit endlich klappt. Hier empfiehlt sich zunächst eine Analyse, ob das zielführend wäre. Möglicherweise braucht es nun kein weiteres Zertifikat, sondern z. B. den Mut zu einem externen Wechsel oder mehr Netzwerken.
Die Ausgaben für eine Weiterbildung sollten immer erst mit einem Gewinn zurückverdient („amortisiert“) sein, ehe die nächste überlegt wird.