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News / Verena Oberauer: „Um den billigen Journalismus ist es nicht schade"
Verena Oberauer (Foto: APA-Fotoservice/Roland Rudolph)
22.06.2026   Vermischtes
Verena Oberauer: „Um den billigen Journalismus ist es nicht schade"
Mit Heribert Prantls Satz setzt die Geschäftsführerin des Medienfachverlags Oberauer den Ton für den European Publishing Congress 2026 in Wien. Ihre Botschaft an die Branche: Hört auf, als Einzelkämpfer zu agieren. Kämpft gemeinsam.
Wien – Verena Oberauer, Geschäftsführerin des Medienfachverlags Oberauer (unter anderem journalistin.at), hat den European Publishing Congress 2026 in Wien mit einer kämpferischen Eröffnungsrede in Gang gesetzt. Vor mehr als 500 Führungskräften europäischer Medienhäuser stellte sie die Kernfrage des Kongresses: Nutzen wir KI, um billige Masse zu produzieren – oder als Katalysator für echte Qualität?
 
Den Kongress eröffnete und beschließt Stefan Aust, langjähriger „Spiegel“-Chefredakteur – im Interview mit „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand und mit der Auszeichnung für sein Lebenswerk am Abend.
 
Hier die Rede im Wortlaut:
„Herzlich willkommen in Wien!
 
KI bedroht unser Geschäft!
Oder vielleicht doch nicht?
 
Sind es nicht vielmehr das eng geschnürte wirtschaftliche Korsett, die fehlende Unterstützung der Politik, eine überbordende Bürokratie und der unerbittliche Kampf um die Aufmerksamkeit auf den Plattformen der Tech-Giganten?
 
Sie alle legen uns Handschellen voller Bestimmungen, Pflichten und Einschränkungen an. Sie rauben uns genau die Ressourcen und die Zeit, die wir für unsere Transformationsprozesse so dringend brauchen.
Ob AI Act oder DSGVO, ob willkürliche algorithmische Abstrafungen, Knebelverträge oder Steuerhürden – die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
 
Doch die entscheidende Frage für unsere Zukunft ist: Was machen wir selbst aus der technologischen Revolution? Nutzen wir KI, um bloß billige Masse zu produzieren, oder nutzen wir sie als Katalysator für echte Qualität?
 
Genau diese Trennlinie hat SZ-Kolumnist Heribert Prantl vor wenigen Wochen nur eine Straße weiter beim Österreichischen Presserat auf den Punkt gebracht:
‚Um den billigen Journalismus ist es nicht schade‘, sagt Prantl.

Er sieht in der KI keine existenzielle Gefahr für unsere Branche insgesamt, sondern eine immense Chance für Journalismus mit Expertise, Quellenkenntnis und Glaubwürdigkeit.
Um diese Chance zu ergreifen, müssen wir die Ellenbogen stärker ausfahren. Wir müssen wissen, wo wir stehen, was funktioniert und wo wir uns wehren müssen. Kurz: Wir brauchen ein ehrliches Lagebild.
Heute ziehen wir eine erste große Bilanz.

Wie wir KI in unseren Prozessen bereits nutzen.
Wie wir unser Business vor den KI-Giganten schützen.
Wo wir bei der digitalen Transformation stehen.
 
Wir werden mit KI experimentieren und heute zusammen mit Chris Guse eine KI-gestützte Echtzeitübersetzung erleben und daraus sofort Video-Podcasts veröffentlichen.
Wir werden KI-Strategien aus den besten Medienhäusern Europas betrachten und dafür in die Maschinenräume von SPIEGEL, BBC, ZEIT, Velora Cycling, NOZ, Russmedia, Swedish Radio, FUNKE, BILD und turi2 gehen.
 
Wir werden Liquid Publishing bei Bauer Media als ein Modell der Zukunft kennenlernen.
Wir werden erfolgreiche Best Practice von digitaler Transformation bei Politiken sehen.
Wir werden von Burda erfahren, wie KI die Medienbranche nicht nur technologisch, sondern vor allem kulturell verändert und was das für unsere Führung bedeutet.
 
Wir werden mit Richard Tigges verstehen, wie wir die Kontrolle über KI im Journalismus behalten.
Wir werden von Ulrike Langer lernen, eine eigene Infrastruktur für KI-Distribution aufzubauen und die Regeln künftig selbst zu bestimmen.
 
Das alles klingt nach verdammt viel Arbeit. Und im ersten Moment, Hand aufs Herz, nach einer gehörigen Portion Überforderung.

Aber diesen Weg müssen wir gehen – auch wenn wir an vielen Stellen noch nicht wissen, was uns hinter der nächsten Kurve erwartet.
 
Doch ein Blick zurück zeigt: Es ist nicht das erste Mal, dass wir im Nebel navigieren.
Wie oft standen wir vor Entwicklungen, bei denen niemand wusste, wohin die Reise geht?
Und dennoch haben uns genau diese Herausforderungen zu dem gemacht, was wir heute sind: krisenerprobt, kreativ und mutig.
 
Transformation braucht genau diesen Mut, Neues auszuprobieren. Sie braucht die Offenheit, sich von alten Prozessen und liebgewonnenen Bequemlichkeiten zu lösen. Und sie braucht – mehr als alles andere – Zusammenhalt. Hören wir auf, als Einzelkämpfer zu agieren. Kämpfen wir gemeinsam. Entwickeln wir zusammen, statt gegeneinander! Nur so werden wir schneller, agiler und entscheidungsfähiger. Gemeinsam können wir eine unglaubliche Stärke entwickeln.
 
Lassen Sie uns diese Stärke genau hier und heute nutzen.
Lassen Sie uns gegenseitig inspirieren.
Lernen wir voneinander. Und sprechen wir auch Fehler offen an.
Lassen Sie uns diskutieren, wie weit KI im Journalismus eindringen darf und wo wir zwingend Grenzen ziehen müssen.
Lassen Sie uns besprechen, was unsere künftige Rolle sein wird und wie wir diese auch finanzieren können.
Lassen Sie uns von den Beispielen heute ruhig auch mal abschrecken – aber nicht, um am Ende dieses Kongresses in Angst aus Wien abzureisen. Sondern, um wachgerüttelt, vorbereitet und entschlossen zu sein für alles, was noch kommt!
 
Und wer könnte uns auf diesem Weg besser orientieren als jemand, der die DNA des Qualitätsjournalismus über Jahrzehnte geprägt hat.

Er weiß wie kein Zweiter, wie man die richtigen Leute auf die richtigen Themen ansetzt – und wie man an Covern feilt, bis sie zu Ikonen der Zeitgeschichte werden. Heute, im Zeitalter von KI und Social Media, stellt er sich mit uns der Frage: Wie bewahren wir das Unantastbare – die nackte, manchmal unspektakuläre Wahrheit?
 
Der langjährige ,Spiegel‘Chefredakteur Stefan Aust wird Europas größten KI-Kongress für Medien im Interview mit ,kress pro‘-Chefredakteur Markus Wiegand heute Morgen eröffnen und mit der Auszeichnung für sein Lebenswerk heute Abend schließen.


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