Die Chefredakteurin der „Salzburger Nachrichten“ würdigt den „Journalisten mit Leib und Seele“.
Salzburg - In bewegenden Worten nimmt SN-Chefredakteurin Karin Zauner von Andreas Koller Abschied. Der Innenpoliitkchef ist nach schwerer Krankheit 65-jährig verstorben.
Andreas Koller ging und bleibt
Vor wenigen Wochen stand anlässlich der Pensionierung in dieser Zeitung: „Andreas Koller gehört zur Redaktion der ,Salzburger Nachrichten‘ wie die Wurzeln zu einem Baum.“ Jetzt ist „unser Koller“ am 26. Juni im Alter von 65 Jahren verstorben.
Doch sein Tun, seine Worte, sein Einsatz für jüngere Kolleginnen und Kollegen haben längst breite und tiefe Wurzeln geschlagen. Und das ist das, was ihn in den letzten Wochen seines Lebens auch so etwas wie Dankbarkeit und Zufriedenheit spüren ließ, wie er selbst sagte.
Ein Journalist mit Leib und Seele
Andreas Koller war einer der profundesten Journalisten dieses Landes. Auf die Frage, wie er es aushalte, jahrzehntelang über die österreichische Innenpolitik zu berichten und zu schreiben, meinte er: „Solange ich mich über innenpolitische Vorgänge freue, ärgere oder aufrege – so lange bleibe ich Politikjournalist.“ Das alles hat er bis zum Schluss getan. Nur der Tod konnte ihn vom Schreiben abbringen.
Andreas Koller war ein akribischer Journalist, ein 24-Stunden-Journalist. Es tue ihm nicht leid, dass er so viel gearbeitet habe, meinte er auch in Anbetracht dessen, dass ihm nur mehr wenige Monate bleiben würden. Denn er habe seine journalistische Arbeit geliebt. Er, der in ganz Österreich in der Politik- und Journalistenbranche auf Respekt und Hochachtung stieß, war nicht nur über Jahrzehnte stellvertretender Chefredakteur und Innenpolitik-Chef der SN, sondern er wurde unter anderem auch mit dem renommierten Kurt-Vorhofer-Preis ausgezeichnet und zehn Mal vom Branchenmagazin „Journalist:in“ zum Innenpolitikjournalisten des Jahres gekürt, 2010 war er sogar in der Gesamtwertung „Journalist des Jahres“ und seit 2022 Professor. Der René-Marcic-Preis fehlt in der langen Auszeichnungsliste ebenfalls nicht.
Politikexperte und gefragter Gast in TV und Radio
Andreas Koller kam 1988 zu den SN, seine Karriere hat er bei der Tageszeitung „Die Presse“ begonnen. Als profunder Politikexperte und exzellenter Redner war Koller zudem gefragter Gast im Fernsehen und Radio, und er hat sich immer für die Entwicklung der Medienbranche, die Ethik und die Qualitätsstandards in unserem Beruf eingesetzt, sei es im Presserat oder im Presseclub Concordia, wo er Präsident war.
Immer schon wollte Andreas Koller Journalist werden, er studierte Politikwissenschaften und Publizistik und schloss mit dem Doktortitel ab. Als Journalist war er unnachgiebig. Über den Umgang mit Stehsätzen von Politikern meinte er: „Gnadenlos unterbrechen, gnadenlos nachfragen, gnadenlos auf Antworten auf gestellte Fragen beharren. Und vor allem: sich gnadenlos vorbereiten.“ Damit werde man mit Stehsätzen nicht aufs Glatteis geführt. Stets urteilte er unparteiisch, unbestechlich, geprägt von großem Sachwissen. Er galt als einer der profundesten Kämpfer für den Rechtsstaat. Aber er hat auch nie mit Kritik an der eigenen Zunft hinterm Berg gehalten. Er sagte oft, kaum eine Branche reflektiere das eigene Tun so wenig wie die Journalistenbranche. Und vor allem war ihm der voyeuristische Zugang ein Grauen. Es gebe zu viele Journalisten und Verleger, die rücksichtslos über Schicksale und Leben trampelten, die dem Anstand ins Gesicht lachten, sagte er und achtete stets darauf, dass wir bei den SN anders handeln. Dabei war er selbst offen für Kritik. Einer der Koller’schen Lehrsätze, die er parat hatte, wenn man etwas in einem seiner Texte für unklar hielt: „Dann ändere ich das, denn wenn es einer nicht versteht, verstehen es andere auch nicht.“
Vordenker und Vorbild
Koller war auch ein Vordenker in der Branche und hat sehr früh erkannt, dass diese ohne digitale Transformation keine Chance hat. Während andere mit Veränderungen haderten, begriff er sie stets als Chance und ging als Vorbild voran. Bereits schwer von seiner Krankheit, mit der er sehr offen umging, gezeichnet, ließ er sich noch für eine Systemumstellung schulen. Wie sollte er denn sonst künftig vernünftig seinen „Kollers Klartext“, mit dem er seit 2010 die Leserschaft begeisterte, schreiben, fragte er.
Ein Kollege hat einmal über Andreas Koller gesagt: „Ich bewundere ihn für seinen unfassbaren Optimismus, der mich im Berufsalltag manchmal rasend gemacht hat.“ – Etwas, das er bis zuletzt gelebt hat. In einem seiner letzten Mails schrieb er: „Mit meinem ehemaligen Ressort ist vereinbart, dass ich wieder schreiben kann, sobald ich schreiben kann. Derzeit kann ich leider nicht. Mich ermüden selbst die alltäglichsten Erledigungen extrem. Ich würde also nur halbgare Ware liefern. Aber sonst geht es mir gut!! Das Leben ist schön. Ich hab ein tolles Netzwerk aus Familie und Freunden, alle kümmern sich um mich, ich genieße jeden Tag. Und immer noch freue ich mich über das Fest, das ihr für mich ausgerichtet habt. Ich war wirklich überwältigt. Das hat mir sehr viel bedeutet!“
Du, lieber Andreas, hast uns immens viel bedeutet, wir werden versuchen, in deinem Sinne weiterzumachen.
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