Zwei Herzkammern für eine Zeitung: Wie die „Kleine Zeitung“ Print und Digital neu organisiert
Die „Kleine“ baut ihre Redaktion grundlegend um und richtet ihr Geschäftsmodell auf die digitale Zukunft aus. Im Interview erläutert Chefredakteur Oliver Pokorny die neue Arbeitsweise der Redaktion und die Rolle des neuen Digitalprodukts.
Graz – Die „Kleine Zeitung“ stellt ihre Redaktion grundlegend um: Print und Digital werden organisatorisch getrennt, gleichzeitig setzt das Medienhaus auf ein neues digitales Geschäftsmodell und eine engere Zusammenarbeit mit der „Presse“. Im
„Journalist:in“-Interview erklärt Chefredakteur Oliver Pokorny die Hintergründe der Neuausrichtung, die Ziele der Strategie und die Rolle des neuen Digitalprodukts. Die drei wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst:
Die „Kleine Zeitung“ trennt Print und Digital nun strikt. Was ist die strategische Idee dahinter?
Oliver Pokorny: Der Ausgangspunkt für alle strategischen Überlegungen und deren operative Umsetzung war die Entscheidung, dass auch erfolgreiche klassische Verlagshäuser mit starker Zeitungsprägung das gesamte Unternehmen auf ein neues Geschäftsmodell drehen müssen. Denn unbestritten ist: Die starke Abhängigkeit von Printerlösen aus dem Anzeigenmarkt ist zukünftig nicht mehr tragfähig. Um die Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens sicherzustellen, lösen wir nach 120 Jahren das bislang sehr erfolgreiche klassische Print-Geschäftsmodell ab, ändern unsere Strategie und richten die Organisation neu aus.
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Wie funktioniert die Trennung im Alltag konkret – wer macht was?
Die Redaktion ist das Herzstück der „Kleinen Zeitung“. In diesem Herzen gibt es zwei Herzkammern, die miteinander verbunden sind, aber jeweils eigenständig arbeiten sowie unterschiedliche Aufgaben und Verantwortungen erfüllen. Die Printredaktion ist ein eigenes Team mit eigener Führung. Sie soll die publizistische Qualität sichern und weiterentwickeln. Sie entscheidet autonom, welche Inhalte von den von uns im Schnitt 150 täglich verfassten Artikeln in die gedruckte Zeitung übernommen werden und wie diese dort gestaltet werden.
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Wo wird die „Kleine Zeitung“ künftig konkret Geld verdienen? Welche zusätzlichen Geschäftsmodelle sehen Sie, etwa bei Newslettern oder neuen digitalen Angeboten?
Wir bringen im Sommer ein neues Digitalprodukt auf den Markt. Es heißt schlicht und korrekt „Die neue Kleine Zeitung“. Es ist kein Relaunch des bestehenden Auftritts, sondern die komplette Neuentwicklung unserer App- und Web-Welt, die zusätzliche Möglichkeiten zur Kommerzialisierung bietet. Es geht uns nicht mehr ausschließlich um klassische journalistische Inhalte, sondern – ähnlich wie bei internationalen Beispielen wie der „New York Times“ – auch um Bereiche wie Service, Spiele, Wetter oder Rezepte.
Zum ganzen Interview
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