Karrierecoach Attila Albert zeigt, wie sich berufliche Sorgen und Selbstzweifel durch bewusste Selbstführung begegnen lassen. Entscheidend sei, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu steuern und aus Überlegungen konkrete Schritte abzuleiten.
Berlin – Im engeren Sinne bedeutet „Führen“, eine übergeordnete Position im Unternehmen einzunehmen, in größeren Zusammenhängen zu denken, zu planen und zu entscheiden, andere einzubinden, anzuleiten und bei Bedarf zu korrigieren. Aber dafür braucht es nicht zwingend eine Fach- und Führungsposition. Führung in eigener Sache ist in jeder Position möglich und immer vorteilhaft. Damit lässt sich Sorgen und Ängste begegnen, etwa die Befürchtung, wegen KI die bisherige Stelle zu verlieren, und Lösungen dafür finden. Sie werden stattdessen zum Anlass, die eigene Position zu überprüfen und zu verbessern.
Selbstführung bedeutet damit, das eigene Denken, Fühlen und Handeln bewusst zu steuern, um seine beruflichen oder privatem Ziele eigenverantwortlich zu erreichen. Sie basiert auf zwei grundlegenden Überzeugungen, dass man nämlich erstens die Kontrolle übernehmen kann, zumindest zu einem entscheidenden Grad, und zweitens selbst dafür verantwortlich ist, also damit nicht auf andere hoffen und warten sollte. Bereits diese beiden Überzeugungen, hat man sie sich erst einmal angeeignet, verändern vieles: Man hält sich nicht mehr mit Hoffen und Abwarten auf, auch nicht mehr mit Beschwerden und Vorwürfen.
Denken: Weniger überlegen, mehr planen und entscheidenDas eigene Denken zu steuern, klingt für viele wie eine theoretische Möglichkeit, die sich aber praktisch kaum umsetzen lässt. Doch lassen sich wiederkehrende Sorgen und Ängste eingrenzen, indem man sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und konkrete Gegenmaßnahmen plant. Das macht sie beherrschbar, man muss nicht mehr ständig darüber nachdenken. Beispiel: Wer sich wegen KI um seinen Arbeitsplatz sorgt, könnte eine KI-Weiterbildung beginnen, parallel sein Branchennetzwerk ausbauen und sich häufiger bewerben. Schon denkt man optimistischer über seine Zukunft, freut sich sogar darauf.
Übermäßiges Grübeln und endlos kreisende, sich dabei aufschaukelnde Gedanken („Gedankenspiralen“) lassen sich durch Entscheidungen beenden. Das Auflisten von Vor- und Nachteilen einer möglichen Entscheidung führt häufig zu einem Patt. Besser ist es, die Entscheidungskriterien zu gewichten, indem man Punkte nach deren Wichtigkeit vergibt und die Summen vergleicht. Alternativ: Kurz- und langfristige Vor- und Nachteile einer Entscheidung unterscheiden, danach vergleichen. Das durchbricht auch das gedankliche Abschweifen, etwa Tagträumereien oder ständige Gedanken nur an den nächsten Urlaub.
Fühlen: Sich spüren, aber nicht davon beherrschen lassenAuch die eigenen Gefühle lassen sich zu einem großen Grad lenken. Manchen Menschen fällt es allerdings schwer, überhaupt erst einmal wahrzunehmen, was sie fühlen. Für diese rationalen, verkopften Typen kann es eine gute Übung sein, bewusst auf ihre emotionalen und auch körperlichen Reaktionen (z. B. hektisches Aufstehen im Meeting, Zittern nach einem Streit mit dem Chef) zu achten und zu verbalisieren, was in ihnen vorgeht. Sie lernen dabei auch, dass ihre Gefühle hilfreiche Indikatoren innerer Vorgänge sind; sie sind ihnen keineswegs ausgeliefert und müssen sie deshalb gar nicht abblocken.
Anderen fällt es umgekehrt schwer, sich nicht von ihren Gefühlen beherrschen oder sogar überwältigen zu lassen. Oft zeigt sich im Coaching bzw. in einer Therapie, dass diese Menschen das emotionale Drama genießen und deshalb suchen, weil es ihr Leben aufregender erscheinen lässt und sie sich dabei besonders lebendig fühlen. Hier gilt es ebenso zu lernen, Gefühle als Indikatoren zu sehen, die weder ein Eigenleben haben noch die Hauptrolle erhalten sollten. Ein Weg dazu: Bei wiederkehrenden Gefühlen nach deren Ursache (z. B. Konflikt) suchen, sie durchdenken und dann praktisch angehen.
Handeln: Etwas Konkretes fertigstellen und liefernAlle Selbstreflexion ist nur die Vorbereitung für Handeln, also für das praktische Umsetzen von dem, das man gedanklich als richtig erkannt hat und das sich auch richtig anfühlt. Hier geht es vor allem darum, etwas Konkretes fertigzustellen und abzuliefern, denn nur durch die Interaktion mit anderen wird es wirksam. Beispiel: Wer überlegt, ein Buch zu schreiben, Workshops oder PR-Dienstleistungen anzubieten, muss ein Konzept schreiben, mögliche Interessenten heraussuchen und ihnen sein Angebot senden. Nur dann erfahren sie davon und können reagieren, Nachfragen stellen oder die Details diskutieren.
Dass man handeln muss, ist jedem klar; dagegen stehen vielfach Selbstzweifel – kann ich das überhaupt schaffen? – und die bereits bestehenden Pflichten des Alltags. Der Ausweg hier: Den großen Plan in einzelne Phasen („Meilensteine“) unterteilen, diese wiederum in kleine, überschaubare Arbeitsschritte von jeweils 1–2 Stunden und im Kalender dafür feste Zeiten reservieren. So geht es tatsächlich schrittweise voran, man hat ständig kleine Erfolgserlebnisse und zudem die Gewissheit, dass die Richtung stimmt. Schaut man nach einigen Monaten oder Jahren zurück, wird klar, wie weit man damit gekommen ist.
Zur vergangenen Kolumne: So lernen Medienprofis, sich wirklich wieder für andere zu interessieren Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.
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